Ethischer Konsum: Wir reichen Sünder – SPIEGEL ONLINE

W E R B U N G, da Empfehlung eines Spiegel-Artikels

Fast jede Konsumentscheidung hat ethische Konsequenzen. Fairer Kaffee, vegane Ernährung, Rad statt Auto – können wir die Welt mit unserem individuellen Verhalten retten? Oder ist das eine Illusion?

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W E R B U N G, da Empfehlung eines Spiegel-Artikels

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Heute gestalten, worauf wir morgen zurückschauen

Am Jahresende war es hier wieder sehr ruhig. Herbst-Winter-Frühlingszeit bedeutet für mich immer Krankenzeit. Da liegen die Prioritäten ganz klar im Dasein, Kümmern und Aushalten. Ich weiß, dass das alles genauso sein muss und es andere Familien wie wir erleben. Ich gebe aber zu, dass es mir fehlt, dann so gar keine Zeit und Raum für mich zu haben. Und genau da möchte ich heute anknüpfen.

Was bisher geschah

Am Montag durfte ich ein Zeit- und Selbstmanagament-Seminar besuchen. Ich bin in dem Selbstbewusstsein dort hin gegangen, dass ich mich sehr gut organisiert fühle – beruflich wie familiär. Ich bin aber auch offen für Neues und habe mich auf alle Fragen und Spiele eingelassen. Eine Erkenntnis – sicher für viele nicht neu, in meiner Situation aber mal wieder ein Wachrüttler – war eine Schilderung zur Work-Life-Balance: Stellen Sie sich einen Tisch vor. Er braucht vier Beine, um stabil und sicher zu stehen. Diese Beine stehen für die vier Grundseulen im Leben:

  • Familie / Freunde
  • Beruf / Job
  • Gesundheit
  • Persönliche Entwicklung

Es gibt immer Situationen im Leben, durch die ein oder zwei Säulen wichtiger sind, sein müssen. Ich bin Mutter, Ehefrau und arbeite Vollzeit. Meine ersten beiden Seulen nehmen so viel Raum in meinem Leben ein, dass mein Tisch gerade sehr schräg steht. Ich empfehle Ihnen beim Lesen meiner Texte, Kaffee- und Teetasse lieber in der Hand zu behalten. Es ist in Ordnung so, aber ich wünsche mir auch, dass ich meinen Tisch eines Tages wieder aufrichten kann, um mich wieder daran setzen zu können. Ich suche also nach Wegen, wie ich ohne Qualitätsverluste den letzten beiden Punkten etwas mehr Aufmerksamkeit widmen kann. Denn wenn man seine Gesundheit zu lange vernachlässigt, wird es immer schwerer wieder auf starke Beine zu kommen.

Was auch immer ich anfange, sollte erst einmal meiner Gesundheit zugute kommen lassen. Durch die langen und zehrenden Krankheiten hatte ich viel Frust und habe das kalorienreiche Schlemmen aus der Adventszeit sehr großzügig ausgedehnt. Ich möchte mich wieder gesünder ernähren. Werktags esse ich meist nicht zu Mittag, dafür auf dem Heimweg ein Brötchen. Gesunde Ernährung kommt aber nicht von selbst, man muss sich damit beschäftigen.

Mein Weg dahin begann unbewusst schon in der Weihnachtszeit. Als ich abends noch eine halbe Stunde auf dem Sofa entspannen wollte, entdeckte ich ein Youtube-Video zum Thema »Bullet Jornal«. [Inzwischen weiß ich, dass das gerade ein großer Hype ist.] Ich fragte mich auch lange, was mich daran so sehr reizt, denn ich bin mit meiner Art der Organisation (#digital) sehr zufrieden und sehe in einem eigenen Bullet Journal nur Nachteile: Aufwände in Zeit und Absprachen mit meinem Mann, es verbraucht Ressourcen für Papier und Stifte, man kann es vergessen, verlieren, dann ist alles weg. Inzwischen bin ich sicher, dass meine Faszination dafür durch das Vergnügen begründet ist, anderen beim Zeichnen zuzusehen, nicht die Form der analogen Organisation.

Als ich am Montag abends von dem Seminar nach Hause kam, gab mir mein Mann ein Päckchen, eine kleine Überraschung von einer guten Freundin. Obwohl ich mit ihr bisher nicht über meine Faszination für Bullet Journals gesprochen hatte, schenkte sie mir ein Anfängerobjekt – ein Buch mit Vordrucken, in dem bereits 53 Wochen angelegt sind. Es ist nicht nur ein Kalender, sondern bietet Platz für einen Key, ToDos und Ziele. Ich schrieb ihr gleich, dass ich darüber sehr schmunzeln musste und überlege seither Tag und Nacht, wie ich damit umgehe. Wie gesagt sehe ich in einem Buch-Kalender-Organisationsobjekt nur Nachteile, möchte das Geschenk aber auch benutzen. Heute Nacht kam ich dann auf die Idee, meine beiden zu kurz geratenen Tischbeine damit in kleinen Schrittchen anzugehen. Ich möchte das Buch dazu nutzen, aufzuschreiben, wenn ich ungesunde Produkte konsumiert habe – denn wahrscheinlich ist das wahre Ausmaß noch deutlicher als man es sich selbst erst einmal eingestehen möchte – und überlegen, was ich abends oder am Wochenende ggf. vorbereiten kann, z.B. einen Linsen-Gemüse-Salat, Auflauf, Suppe etc.

Ich starte optimistisch und werde mich im ersten Schritt erst einmal mit dem Buch auseinandersetzen und überlegen, was ich wo und wie aufschreiben möchte. Luft nach oben ist sehr viel, schlechter kann es gerade nicht werden, und Stillstand möchte ich nicht erhalten.

 

Und was hat das alles mit diesem Titel zu tun?

Der Titel entspringt einer anderen Übung aus dem Seminar. Am Jahresende schreiben viele Menschen ihre Weihnachtspost und verweisen auf Erlebtes und Erreichtes. Wir haben auch einen großen Verteiler, einfach weil ich Post und Weihnachten sehr liebe. Und ich schreibe genauso hinein, was sich beruflich und privat für uns in diesem Jahr verändert hat.

Rückblickend zusammenzufassen, was sich verändert hat, ist einfach. Es gibt immer Veränderungen, und natürlich schreibt man in der Regel nur die guten Dinge auf. Ein Ansporn ist es allerdings, heute schon auszuschreiben, was man im Dezember Familie und Freunden schreiben möchte. Was möchte ich in diesem Jahr zum Besseren verändern. Was möchte ich heute neu gestalten, worauf wir am Ende zurückschauen können.

Welche Punkte würdet ihr aufschreiben?

organise me #2 | Finanzen

Die Bedürfnisse und Wünsche des Menschen sind unbegrenzt, das Angebot ist riesig und verlockt uns mit ständiger Verfügbarkeit. Zeit und Raum spielen keine Rolle mehr, wenn man um 4 Uhr in der Nacht Kleidung oder Pralinen aus Italien bestellen kann. Wir haben aber für all unsere grenzenlosen Wünsche und Bedürfnisse nur begrenzte Möglichkeiten. Der Umgang mit Geld und das Haushalten in einer Überflussgesellschaft sind nicht einfach und treiben Menschen mitunter in den Ruin. Wie lernt man den Umgang mit Geld? Wie macht man es richtig?

Die Schule des Lebens ist hart. Ich hatte nach meinem Auszug aus meinem Elternhaus das Glück, dass mir meine Eltern das Kindergeld überwiesen und meine Versicherungen und Mobiltelefon bezahlten. Dadurch durfte ich ein sorgenfreies Studium genießen, in dem ich trotz Fernbeziehung sogar kleine Ersparnisse aufbauen konnte. Das war großartig und ein sanfter Prozess zur Selbstständigkeit.

Mit dem Ende des Studiums kam dann der Sprung auf die eigenen Beine. Versicherungen, Telefon, Miete, Kaution – das lag nun alles allein bei mir. Ich startete beruflich in eine Teilzeitstelle und führte meine Fernbeziehung zum anderen Ende der Republik. Wir wollten zusammenziehen und heiraten.

Aufbau

Während des Studiums habe ich mein finanzielles Organisationssystem entwickelt. Als große Excel-Begeisterte führe ich alle meine Einnahmen und Ausgaben seitdem in einer Liste:

  • pro Jahr eine eigene Datei
  • pro Monat eigene Reiter

In der Monatsliste unterscheide ich

  • Einnahmen
    • fix (z.B. Gehalt, Kindergeld)
    • variabel (z.B. durch Verkäufe, Geldgeschenke)
  • Ausgaben
    • fix (z.B. Miete, Strom, Versicherungen, DSL, Mobil, Kreditraten)
    • variabel (z.B. Lebensmittel, Kleidung, Untersuchungen beim Arzt, Kleidung/Schuhe, Drogerie, Elektronik, Wohnung, Tanken, Kino).

Spätestens zum Jahresende bereite ich die Liste fürs nächste Jahr vor. Es gibt für jede Form von Einnahmen und Ausgaben zwei Spalten. In Vorbereitung trage ich die geplanten Beträge in einer Spalte »Plan« in Grau ein:

  • Wie viel plane ich pro Monat für Lebensmittel, Drogerie & Co ein und verteile die Summe auf mehrere Einkäufe.
  • Fixe Kosten werden auf einem eigenen Reiter definiert und zu den einzelnen Listen verlinkt. Gibt es bspw. eine Mieterhöhung, trage ich sie an dieser zentralen Stelle ein und habe sie automatisch für alle 12 Monate eingeplant.
  • Wichtige Geburtstage und Feste sind bekannt. Ich plane jeweils im Monat zuvor Summen für Geschenke, Deko, Reise etc. ein. Schon im Oktober ist ein kleiner Beitrag für den Adventskalender eingeplant. Damit erinnert mich die Liste beiläufig daran, mir Gedanken über die Advents- und Weihnachtszeit zu machen.
  • Arzttermine mit geplanten Untersuchungen, die man selbst zahlen muss, kann ich so im Voraus berücksichtigen oder den Termin für einen Monat vereinbaren, in dem ich keine Feierlichkeiten vorbereite.
  • Alle jährlichen Einnahmen und Ausgaben hebe ich fett und farbig hevor, bspw. die Haftplichtversicherung, die jährlich abgebucht wird und als größere Summe im Monat vorkommt. So sehe ich schnell, wenn ich mich in einem Monat finanziell übernehmen könnte und achte bei langfristigen Verbindlichkeiten darauf, diesen Monat möglichst zu umschiffen, z.B. indem ich für den Vormonat ein finanzielles Polster für das Monatsende einplane, mit dem ich dann in den finanziell engen Monat starte und das so ausgleiche.
    Durch die Hervorhebungen denkt man auch leichter daran, Verträge ggf. wieder zu kündigen, bspw. Handy- oder Brillenversicherung.
  • Meine Monatsplanung reicht von Gehalt zu Gehalt, nicht vom 01. bis Monatsende.

Auf diese Weise sind alle geplanten Einnahmen und Ausgaben vorab bekannt. Ich kann ablesen, in welchen Monaten hohe Kosten zu erwarten sind und ich mich mit Spontanausgaben zurückhalten sollte, und wann ich mir etwas gönnen oder sparen kann.

Für alle großen Projekte ~ für die Hochzeit sparen, den Autokredit abbezahlen ~ erstelle ich einen eigenen Reiter, der Jahr für Jahr kopiert und fortgeschrieben wird. Anfangs plane ich wie viel Geld in welchem Zeitraum aufzubringen ist und teile dies durch die Jahre. Damit weiß ich, wie viel ich pro Jahr zurücklegen muss, um die Summe zu erreichen, bzw. wie viel ich im Folgejahr mehr oder weniger zurücklegen muss, wenn dieses Jahr große Überraschungen bereithielt.
Diese Jahressparsumme kann ich dann auf meine 12 Reiter verteilen und vermerke daneben, wofür diese Summe zurückgelegt werden soll.

Planung umsetzen

Wenn das neue Jahr anbricht, trage ich alle tatsächlich entstandenen Beträge in einer Spalte »Ist« in Schwarz ein.
Am Seitenbeginn wird der aktuelle Kontostand angezeigt. Für alle Posten, die vom Konto ein- oder abgehen, trage ich die echten Summen ein und lösche die geplanten. Damit entspricht der Stand in der Liste meinem realen Kontostand. Darunter wird eine Schätzung fürs Monatsende abgegeben, d.h. wenn alle grauen Beträge so bleiben, werde ich am Ende des Monats diesen Kontostand vorweisen. Damit kann ich stets gegensteuern und bei Bedarf umplanen.

Spartipps

Sparen ist ein aktiver Prozess.
Wenn man Glück hat, bleibt am Monatsende automatisch etwas über. Nach meiner Erfahrung ist das aber nicht immer so einfach. Es gibt immer ein paar Ausgaben, die jederzeit überraschend auftauchen können:

  • die Waschmaschine geht kaputt
  • einmal im Jahr muss das Auto zur Durchsicht
  • das Kind befindet sich im Wachstum und braucht früher oder später eine neue Brille
  • Rücklagen für eine Reise
  • und so vieles mehr

Ich habe einmal vom 52-Wochen-Sparen gelesen, einem simplen Trick, mit dem man 1378 Euro in einem Jahr spart. Er meint: Pro Kalenderwoche legt man den entsprechenden Betrag zurück. D.h. für die 1. KW einen Euro, für die 25. KW 25 Euro usw. Allerdings konnte ich mich damit nicht gut anfreunden, weil man dann in der ohnehin kostenintensiven Weihnachtszeit die höchsten Beiträge zurücklegen müsste. Also verteile ich die Beträge auf alle Wochen gleichmäßig und plane in Grau für jeden Monat (4 Wochen á 25 Euro) einen Zielsparbetrag ein.
Ich kenne auch den Tipp, die Sparsumme gleich am Monatsanfang zurückzulegen, empfinde es dann aber als Scheitern, wenn man einen Teil davon wieder zurückholen muss, weil der Monat dann doch zu eng wird. Ich lasse es lieber bis zum Ende auf dem Konto und weiß wie ungerne ich diese Zahl nach unten korrigiere.
Man schafft natürlich nicht immer jeden Monat etwas oder so viel zurückzulegen, aber so hat man Monat für Monat ein Ziel vor Augen, um seinen Sparzielen und Rücklagen näher zu kommen.

Das Geld im Sparschwein ist abgeschrieben.
Dazu lebe ich nach der Regel, dass alles Geld im Sparschwein abgeschrieben ist. Das heißt, wenn ich den Beutel zur Bank bringe, bleibt es nicht auf meinem Alltagskonto, sondern geht direkt zu den Rücklagen.

Veränderungen fühlen

Zum ersten Mal habe ich in diesem Jahr Ziele für mich (an mich?) formuliert und sie sogar aufgeschrieben. Das allein war für mich schon ein großer Schritt, da ich privat nicht so gut organisiert bin wie beruflich. Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, setzt man die guten Vorsätze zu Beginn des Jahres auch selten um. Wie man so oft hört und liest, muss es klick machen, damit man es wirklich umsetzt. In meiner Familie sagt man, dass eine Erkrankung offenbar nicht schlimm genug ist, wenn man trotz Jammerns nicht zum Arzt geht. Und so ist es auch mit den Vorsätzen. Wenn ich sie nicht umsetze, dann hat mich der Ist-Zustand nicht ausreichend gestört.

Ich habe in den letzten Jahren in mir eine große Unzufriedenheit festgestellt, ein Gefühl von all dem Zuviel um mich erdrückt zu werden, ständig anzustoßen und festgehalten zu werden, überfrachtet und überlastet zu werden. Erst war das Gefühl nur körperlich, doch schnell fraß es sich in meine Seele. Wahrscheinlich gab es dort irgendwo dieses Klicken, auf das ich gewartet habe und meine Ziele nun endlich angehen konnte.

Da ich Familie habe, bleibt mir im Alltag nur wenig Zeit Dinge umzusetzen, die nur mir allein wichtig sind. Also habe ich mich nicht auf den großen Berg, sondern auf den Weg dorthin konzentriert, Schrittchen für Schrittchen, achtsam, um niemandem etwas wegzunehmen, das ihm wichtig ist. Besonders hilfreich ist, dass mich mein Mann dabei so unterstützt, weil er verständnisvoll ist und die Verbesserungen durch kleine Veränderungen genauso wahrnimmt und das Gefühl des Erdrücktwerdens gerade selbst intensiv spürt.

Aber was hat sich genau verändert?

2015–2016 | Wir leben in einer 4-Raum-Wohnung. Ein Raum davon war unsere Bibliothek und Arbeitszimmer. Wir hatten Hunderte Bücher, CDs, DVDs und Blu-rays. Der Raum war voller Unterlagen, Papiere, Ordner und Tinnef. Im Laufe des Jahres 2015 habe ich begonnen Bücher und CDs auszusortieren, zu verkaufen und zu verschenken. Zu alte Medien habe ich entsorgt, denn Bücher aus den 80er-Jahren möchte eigentlich niemand mehr haben. Ende 2016 haben wir uns dann dazu entschieden, das Arbeitszimmer aufzulösen. Ein Teil der Möbel mitsamt der verbliebenen Bücher, Unterlagen und Ordner teilte sich nun auf in Flur und Schlafzimmer. Die CDs wanderten in den Keller. Es war noch immer zu viel von allem, den man in jedes Eckchen Platz verschob.

2017 lebten wir so dahin. Das Jahr als Familie war turbulent und von Krankheiten gezeichnet. Das Gefühl des Erdrücktwerdens wurde stärker, vielleicht auch weil die Räume nicht mehr das waren, was sie sein sollten, weil nun jede Ecke voller Regale mit Büchern, Kisten und Ordnern stand. Unser Schlafzimmer war vollgestellt und verlor an Gemütlichkeit. Im Flur musste man sich zum Anziehen aufteilen, weil man nicht gut nebeneinander stehen konnte. Dazu ist immer wieder etwas kaputtgegangen. Das bleibt nicht aus mit Kindern. Am Anfang tat mir das dennoch sehr weh. Erwachsene geben sich doch mehr Mühe die Dinge vorsichtig zu behandeln. Kinder sind wilder und ungeschickter. Und dass meine Dinge mitunter aus Nichtachtsamkeit kaputt gingen, hat mich besonders verletzt. Ich habe festgestellt, dass mir der Gegenstand selbst gar nicht mehr so wichtig war, sondern mich das Kaputtgehen so traf. Wenn mir die Dinge gar nicht mehr wichtig sind, möchte ich sie lieber selbst weggeben als sie zerbrechen zu sehen.

2018 wollte ich das anpacken und aufräumen. Ich wollte nicht mehr anstoßen, ich wollte Freiraum, um atmen zu können, um leben zu können, für uns, für mich.

Lieber tanze ich auf einer leeren Fläche, als mir Arme und Füße zu stoßen.

Leider war die erste Jahreshälfte so zehrend, dass ich gesundheitlich sehr angeschlagen war. Ich verbrachte zur Erholung einige Zeit zuhause und wollte sie nutzen, um wieder auf die Beine zu kommen, um in mir und in unserem Heim aufzuräumen. Und so verbrachte ich die Tage mit Ruhe, um Pläne für unsere Zukunft und Veränderungen zu schmieden, und Energie, mit der ich jeden Tag einen Schrank, ein Regal o.ä. durchsuchte, und mich von dem Ballast befreite. Diese Wochen bauten mich wieder auf und ließen mich ein großes Energiepolster aufbauen von dem ich heute noch zehre.

Ich freue mich über die Unterstützung meines Mannes, der in zwei Urlaubstagen unseren Keller drastisch ausgemistet hat. In unserem Flur steht noch immer dieses riesige Regal – mit drei Fächern voller Bücher und zwei voller Tüten und Beutel. Wir wollen es verkaufen und nur noch einen kleinen Schrank für die Beutel und als Ablage für Telefon und Schlüssel haben. Damit gewinnt der Flur Platz, Licht und Freiraum. Ich freue mich wirklich sehr darauf, die Kinder dort freier laufen zu sehen. Wenn es weg ist, werde ich die Arme ausbreiten und tief ein- und ausatmen.

Was war 2018 noch anders? In diesem Jahr hatte ich zum ersten Mal keine materiellen Wünsche zum Geburtstag. Ich habe alles, was ich brauche. Es fehlt mir nichts. Diese Erkenntnis hat mich sehr glücklich gemacht. Für mein Umfeld war das aber nicht so leicht. Man schenkt seinen Lieben eben etwas zum Geburtstag. Für mich war das Ausmisten des Kellers das schönste Geschenk, was mir mein Mann in diesem Jahr machen konnte. Seine Liebe, sein Verständnis und sein unermüdliches Mitanpacken sind mir das Wichtigste. Den Gutschein meiner Eltern werden wir für das kleine Ablageregal im Flur nutzen.

Aber auch sehr viele andere Bereiche verändern sich, bspw. unser kleines Badezimmer. Ich war eine Sammlerin, brauchte mindestens zwei Flaschen als Ersatz im Schrank – Duschbad, Shampoo, Rasiergel, Deo, davon sogar mehr als zwei. Trauriger Spitzenwert waren vier Flaschen Spülmittel, weil ich bei mehreren Einkäufen immer wieder die Sorge hatte, wir hätten keinen Ersatz im Schrank, wenn die aktuelle Flasche leer ist. Der Einkaufsliste habe ich misstraut. In den letzten Monaten brauch(t)en wir alle diese Mittel auf. Was aufgebraucht ist, ersetze ich so weit möglich durch Naturkosmetik-Produkte. Mein Mann testet zwangsweise mit und reagiert bisher überrascht bis positiv auf die neuen Produkte.

Ich freue mich unser Badezimmer zu treten. Bisher lag der erste Blick auf großen Bastkörbchen und -säcken, in denen die ganzen Produkte lagerten. Jetzt sieht man die Glasböden, auf denen die wenigen Produkte stehen, die wir aktuell verwenden. Und das ist wesentlich anaprechender, bunter und offener. Wenn meine Shampoos und unsere Handseife aufgebraucht sind, möchte ich feste Seifen ausprobieren.

Ich bin gespannt wie die nächsten Monate werden. Meine Träume für Leichtigkeit und Freiheit habe ich umsetzen können.

Wandel

Leben wir noch im Sommer oder doch schon im Herbst? Die Wälder liegen bereits voller Laub, braun und gelb. Ein Meer grüner Eicheln verteilt sich darauf. Es duftet nach feuchtem Tabak. Immerhin fällt in diesen Tagen hin und wieder ein 10-minütiger Schauer.
Dieses Klima bedeutet für uns eine lange Zeit der kahlen Bäume. Die Zeit bis zum nächsten Frühling ist noch lange hin. Für die Tiere ist es eine Katastrophe, wenn sie im Herbst nicht mehr genug Futter finden.

organise me #1 | Termine

Nach der Schule stand ich endlich auf eigenen Beinen und musste plötzlich mit Einnahmen und Ausgaben, Steuererklärung und aufzubewahrenden Unterlagen umgehen. Ich begann alles aufzuheben, weil ich nicht beurteilen konnte, was wirklich wichtig ist. Mir wurde bewusst, dass man solche Dinge in der Schule nie besprochen hat. Zwischen Deutsch, Biologie und Physik ist nicht viel Platz für das ganz normale Leben. Vielleicht haben es auch meine Eltern versäumt mich auf den Erwachsenenalltag vorzubereiten. Ich mache niemandem einen Vorwurf, finde es aber interessant, dass es doch den meisten jungen Menschen so geht. Wie organisiere ich mich, um alles im Blick zu behalten und langfristig zu denken?

Ich möchte nachfolgend über verschiedene Bereiche schreiben, welche Erfahrungen ich gemacht habe und wie ich da inzwischen rangehe, was für uns als Familie und mich selbst gut funktioniert. Vielleicht kann jemand etwas davon für sich mitnehmen und fängt nicht so sehr bei Null an wie ich. Damals gab es das Internet zwar schon, aber noch mit Modem. Man brauchte für alles viel Zeit und Geduld. Es war noch nicht die Zeit von Youtube-Tutorials und -Blogs.

#1 Termine

Ich bin ganz klassisch mit einem Papierkalender gestartet. Mein erster Kalender war recht klein, weil ich nur wenige Termine eintragen musste.
Nachteil: Man muss regelmäßig hineinschauen, um keine wichtigen Termine zu vergessen. Der Kalender war zu klein, um bspw. Briefe knitterfrei mit zur Post zu nehmen.

Also stieg ich im nächsten Jahr auf einen größeren Kalender um, in den man auch Zettel und kleine Briefe einlegen konnte. Es war eine Ressourcenverschwendung, denn ich hatte immer noch nicht so viel einzutragen.
Nachteil: Wenn ich den großen Kalender mitnehmen wollte, brauchte ich immer eine entsprechend große Tasche. Am Ende lag er immer zuhause und die Briefe brachte ich ohne ihn zur Post.

So unglücklich ging das eine ganze Weile. Bis ich mein erstes Smartphone bekam. Das muss etwa 2010 gewesen sein. Ich ersetzte meinen Papierkalender durch den vorinstallierten Google Kalender. Von da an musste ich nichts mehr aktiv nachschauen, weil ich mich rechtzeitig erinnern lassen konnte.
Nachteil: Immer wenn mein Mann Termine mit Freunden ausmachen wollte, rief er mich an, ob wir an dem Wochenende etwas vorhaben, denn alle gemeinsamen Termine standen in meinem Kalender. (Er hatte sein eigenes System.)

Inzwischen sind wir für unsere Bedürfnisse perfekt organisiert. Wir haben drei separate Google-Konten: mein Mann auf seinem Smartphone, ich auf meinem und ein Konto für unsere Kinder. Wir Erwachsenen synchronisieren die drei Google-Kalender, sodass wir beide alle Termine sehen können. So kann ich bspw. einen Arzttermin für meinen Mann ausmachen und ihn in seinen Kalender eintragen. Jeder Kalender hat seine eigene Farbe, sodass man sofort sieht, wen der Termin betrifft. Wir können uns rechtzeitig an bevorstehende Termine erinnern lassen und auch wiederkehrende Veranstaltungen ohne großen Pflegeaufwand eintragen. Unsere Kalender sind immer bei uns.
Nachteil: Natürlich kennt Google dadurch unsere Termine und wird sie auswerten. Ich persönlich finde die Informationen darin so unspannend, dass ich mich frage, was Google damit anfangen sollte. Ich kenne aber auch Menschen, die da sehr vorsichtig sind und solche Informationen nicht von sich preisgeben.
Und noch ein Nachteilchen: Durch die Synchronisation der Google-Konten werden nicht nur die Kalender geteilt, sondern auch Kontakte und Mails. Man kann das zwar bei der ersten Einstellung auswählen, aber diese Informationen werden dennoch geteilt. Mein Mann und ich haben damit keine Probleme. Wir sind sehr offen untereinander und nutzen unsere Google-Konten ausschließlich für die Smartphone-Organisation. Für alles Weitere haben wir private E-Mail-Adressen.
Vorteil: Es gibt keinen Müll. Wir verbrauchen keine Papierkalender, keine Stifte etc.
Digitaler Vorteil: Es gibt keine zeitliche Begrenzung des Kalenders. Eine Tetanus-Impfung muss alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Also lasse ich mich im Januar des 10. Jahres daran erinnern, einen Termin beim Hausarzt zu vereinbaren. Ein halbes Jahr vor Ablauf meines Personalausweises werde ich daran erinnert und lasse neue Fotos machen. Das kann man beliebig erweitern – Wann sollte ich einen Termin zur Durchsicht vereinbaren? Wann endet das MHD meines Elmex Gelees?
Vorteil, wenn man auch beruflich einen digitalen Kalender führt: Manche beruflichen Termine sind auch privat für mich relevant. Wenn Geschäftspartner in die Firma kommen, sollte ich mich etwas besser anziehen, normalerweise kann man bei uns arbeiten wie man sich am wohlsten fühlt. Solche Termine ist auch berufliche Events in den Abendstunden gebe ich für meinen privaten Kalender frei, sodass ich rechtzeitig erinnert werde und mein Mann weiß, wenn ich abends mal nicht da bin.
Goodie: Wer seine Kontakte in Google Kontakte pflegt und Adressen einträgt, kann den Kontakt im Kalendereintrag verlinken. Dann kann man durch einen Klick in den Kalendereintrag Google Maps aktivieren und wird zum Ziel navigiert. Das ist besonders praktisch, wenn man zu einem neuen Arzt geht. Andere Apps lassen sich auch mit dem Kalender verknüpfen: Wenn ich eine Strecke in der App unserer Öffentlichen Verkehrsmittel heraussuche, habe ich die Möglichkeit diese Route in meinen Kalender übertragen zu lassen. So bereite ich mich für Geschäftsreisen und Veranstaltungen vor.

Diese Lösung ist für uns optimal und wollen sie auch nicht mehr missen.
Aber: Wie bringt ihr eure Briefe knitterfrei zur Post?

Zur richtigen Zeit

Nachdem ich meinen Beitrag von gestern veröffentlichte, wurde ich von meiner lieben Nachbarin zum Kaffee eingeladen und bekam von ihr dieses wundervolle Mitbringsel aus ihrem Frankreich-Urlaub. Ich habe mich so sehr gefreut, weil es so wunderbar in meine aktuelle Gefühlswelt passt und mir einen Stupser in die Richtung gibt, Seifenblöcken noch eine Chance zu geben. Außerdem haben mein Mann und ich anschließend noch zwei vollgestopfte Kisten aussortiert. Ein sehr schöner und befreiender Tag.